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Variantenmanagement, engl.: variant management


Nach allgemeinem Verständnis beinhaltet Variantenmanagement alle Steuerungsvorgänge, die zur Optimierung der Variantenvielfalt und zur Beherrschung der Auswirkungen variantenreicher Produktspektren nötig sind. Dabei sollen nicht nur das Variantenangebot abhängig vom Kosten-Nutzen-Verhältnis der Variante optimiert, sondern auch notwendige kundenspezifische Varianten aus den Standardmodulen konfiguriert werden. Häufig wird Variantenmanagement fälschlicherweise als Synonym für Komplexitätsmanagement verwendet, stellt jedoch hiervon nur eine Facette dar. Analog umfasst Variantenmanagement daher die Entwicklung, Gestaltung und Strukturierung von Produkten und Dienstleistungen bzw. Produktsortimenten im Unternehmen. Dadurch wird angestrebt, die vom Produkt ausgehende Komplexität (Anzahl der Teile, Komponenten, Varianten) wie auch die auf das Produkt einwirkende Komplexität (Marktdiversifikation, Produktionsabläufe) mittels geeigneter Instrumente zu bewältigen.

Variantenmanagement stellt einen ganzheitlichen Ansatz zur Beherrschung der Variantenvielfalt eines Produkts dar. In der Produktion beschäftigt es sich hauptsächlich mit Entwicklungsansätzen zur Kosteneindämmung wie Plattform- oder Baukastenkonzepte, die sich wiederum auf Handhabung, Transport und somit die Logistik auswirken. Im Marketing dagegen stehen die Kundeninteressen und deren sinnvolle, produktseitige Umsetzung im Fokus. Aufgabe ist der Abgleich zwischen externer und interner Vielfalt zur Realisierung einer optimalen Kosten-Nutzen-orientierten Artikelvielfalt.

Ziel des Variantenmanagements ist die Reduzierung bzw. Vermeidung innerer Varianz durch geeignete Methoden wie Modularisierungs-, Baukasten- oder Plattformkonzepte bei gleichzeitiger Realisierung der kundenseitig geforderten äußeren Varianz.


Inhaltsverzeichnis

  • 1 Variation und Varianz
  • 2 Vielfalt
  • 3 Konfiguration und Konfigurationsmanagement
  • 4 Quelle


Variation und Varianz

Der Begriff leitet sich vom lateinischen variare für verändern ab. Ähnlich der Differenzierung bezeichnet die Variation die Änderung der Eigenschaften eines bekannten Produkts oder Angebots, um Standardprodukte an Kundenwünsche oder Marktvorgaben anzupassen und so das Produktprogramm zu erweitern. Hinsichtlich der Varianz wird zwischen innerer und äußerer Varianz unterschieden.

Die innere Varianz beschreibt die im Rahmen der Auftragsabwicklung im Betrieb auftretende und für die Erzeugnisherstellung erforderliche Vielfalt an Teilen, Baugruppen und Produkten sowie Prozessen und Ressourcen zur Realisierung der vom Kunden erkennbaren äußeren Angebotsvielfalt. Die innere Varianz zeichnet bedingt durch die in diesem Zusammenhang zunehmende Komplexität verantwortlich für einen erhöhten Herstellungsaufwand in Konstruktion und Produktion sowie steigende Gemeinkosten.

Die äußere Varianz stellt die vom Kunden wahrnehmbare, nutzbare Vielfalt der Produktvarianten dar und trägt somit zur Erfüllung von Kundenwünschen bei.


Vielfalt

Vielfalt wird zwar häufig als Synonym für Komplexität verwendet, bezeichnet jedoch tatsächlich eine hierfür mögliche Maßeinheit. Variantenvielfalt beschreibt die gesamte Anzahl der Varianten eines Bauteils, einer Baugruppe oder eines Produkts. Sie stellt demnach neben Kundengruppen und Unternehmenszielen eine Erscheinungsform der Komplexität dar, die alle Ebenen der Leistungsstruktur umfasst. Produktvielfalt hingegen bedeutet die Produktkomplexität, die auf Basis einer Kosten-Nutzen-Betrachtung gerechtfertigt ist.


Konfiguration und Konfigurationsmanagement

Eng mit dem Variantenmanagement ist das Konfigurationsmanagement verknüpft. Die Konfiguration beschreibt das Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt und enthält alle für die Fertigung, Montage, Qualitätskontrolle und Instandhaltung notwendigen Unterlagen wie bspw. die Produktstruktur. Diese wiederum ordnet die einzelnen Produktkomponenten ebenso wie Materialien einander zu. Der Aufbau wird dabei nach den einzelnen Sichten der Unternehmensbereiche differenziert.

Das Konfigurationsmanagement stellt nach EN ISO 10007 eine auf die gesamte Produktlebensdauer angewandte Managementdisziplin zur Transparenz und Überwachung der funktionalen und physischen Produktmerkmale dar [1]. Innerhalb des Konfigurationsmanagements werden Aufgaben sowohl zur technischen als auch administrativen Leitung und Überwachung der folgenden Prozesse erfüllt:


  • Festlegung und Dokumentation funktionaler und physikalischer Eigenschaften des Konfigurationsobjekts
  • Steuerung der Änderungen dieser Eigenschaften
  • Aufzeichnung des Bearbeitungsstatus und der produktdefinierenden Daten und Berichterstellung
  • Prüfung auf Einhaltung der Normen und anderer Vertragsbedingungen.


Weitere Begriffe im Zusammenhang mit Konfiguration sind Konfigurationsidentifikation und Konfigurationssteuerung. Konfigurationsidentifikation bezeichnet die Identifizierung und Dokumentation der erforderlichen funktionalen und physikalischen Eigenschaften eines Produkts. Die wesentlichen Produkteigenschaften werden dabei als Konfigurationseinheiten dargestellt, wobei sich hier drei Gruppen unterscheiden lassen:


  • Technical Configuration Items (TCI): Teile, Baugruppen, Produkte und zugehörige Dokumente
  • Contractual Configuration Items (CCI): vertraglich zugesicherte funktionelle, technische, logistische Eigenschaften
  • Serialized Configuration Items (SCI): durch fortlaufende Nummern können Teile und Baugruppen über gesamten Lebenszyklus erfasst und verwaltet werden


So genannte Configuration Baselines beschreiben die jeweiligen Produktzustände bei Übergängen des Produkts zwischen einzelnen Phasen. Die Functional Baseline beschreibt das Produkt zwischen Machbarkeitsanalyse und Produktdefinition, die Design Baseline zwischen Definition und Entwicklung und die Product Baseline am Anfang der Produktion.

Die Konfigurationssteuerung kontrolliert und steuert Änderungen der in einer Baseline festgelegten Produktkonfigurationen. So genannte Configuration Control Boards mit Mitarbeitern aus Entwicklung, Fertigung, Arbeitsvorbereitung, QS, Wartung und Konfigurationsmanagement überprüfen und genehmigen diese Änderungen.



Quelle

[1] DIN ISO 10007 : Leitfaden für Konfigurationsmanagement, Berlin u.a.: Beuth 1996.

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