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Die Materialflussplanung ist im Rahmen der gesamten Unternehmensaufgabe zu sehen und umfasst die Planung und Gestaltung von betrieblichen Materialflüssen innerhalb eines abgeschlossenen Werksgeländes sowie innerhalb von Gebäuden. Sie bezieht deshalb durchgängig alle Betriebsbereiche vom Wareneingang bis zum Warenausgang mit ein. Neben dem Ziel eines effizienten und effektiven Materialflusses (erforderliche Menge, an einem bestimmten Ort zu einer festgelegten Zeit) ist eine möglichst hohe Rentabilität, d.h. die Optimierung des Materialflusssystems hinsichtlich Betriebs- und Investitionskosten, zu erreichen.


Inhaltsverzeichnis

  • 1 Anforderungen
  • 2 Planungsarten
  • 3 Planungsphasen
  • 4 Vorarbeiten
  • 5 Grobplanung
  • 6 Strukturplanung
  • 7 Systemplanung
  • 8 Feinplanung
  • 9 Realisierung
  • 10 Planungshilfsmittel
  • 11 Quellen


Anforderungen

Eine Materialflussplanung kann unterschiedliche Anforderungen haben. Eine der wichtigsten ist die Senkung der Kosten (Transport-, Lager-, Handhabungskosten). Aber auch eine Verkürzung der Durchlaufzeiten kann ein Ziel sein, um Kunden schneller zu beliefern oder flexibler auf Marktveränderungen reagieren zu können. Oft mangelt es bestehenden Strukturen an Transparenz in den Logistikprozessen, so dass mit einer neuen Planung klare Materialflüsse geschaffen werden sollen (Flussorientierung). Außerdem soll eine nachhaltige und flexible (Modularisierung) Nutzung der Produktions- und Förderanlagen erreicht werden.

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Es lassen sich folgende drei Planungsfälle unterscheiden:

  • Verbesserung des vorhandenen Materialflusses, um die Durchlaufzeiten zu verkürzen, Bestände zu verringern, mehr Platz zu schaffen oder wegen der Einführung neuer Produkte.
  • Erweiterung des bestehenden Materialflusssystems, um es an ein verändertes Mengengerüst anzupassen oder um neue Produkte einzuführen.
  • Neuplanung eines Systems auf der "grünen Wiese", wobei meist keine Rücksicht auf räumliche Verhältnisse genommen werden muss.


Abb. 1: Phasen einer Materialflussplanung

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In der Fachliteratur existieren viele Vorgehensmodelle für die Materialflussplanung, doch die Einteilung in die Planungsphasen lässt sich meist auf die folgenden Schritte zurückführen (siehe Abb. 1):

  • Vorarbeiten
  • Grobplanung
  • Feinplanung
  • Realisierung


Vorarbeiten

Die Vorarbeiten umfassen die Ermittlung und Bewertung der Planungsgrundlagen. Diese Phase beginnt mit der Planungsorganisation, d.h. dem Aufstellen der Planungsgruppe, der Verteilung der Verantwortlichkeiten, dem Einbinden der Fachleute und der betroffenen Mitarbeiter, dem Aufstellen eines Projektplans mit den Planungsstufen sowie der Auswahl der Planungshilfsmittel. Anschließend werden die Planungseingangsgrößen bestimmt und die notwendigen Informationen zusammengestellt und geprüft.

Wichtige Planungseingangsgrößen sind:

  • externer und interner Verkehr
  • Produktstruktur / Sortiment (Menge, Abmaße, Gewicht, ggf. Gefahrgutklassen, ...)
  • dynamisches Daten (Zugriffe auf Artikel, Auftragsstruktur, ...)
  • Anforderungen an Flächen und Gebäude
  • Anforderungen an Transportmittel und Lager
  • Berücksichtigung von rechtlichen Gegebenheiten und Auflagen
  • Vorsorge für Erweiterungen
  • Kosten und Termine
  • bei einer Erweiterungsplanung, die Schnittstellen zu den vorhandenen Einrichtungen

Es folgt das Auswerten und Aufbereiten der vorhandenen Daten (Ist-Daten), die sogenannte Materialflussuntersuchung. Dazu werden vorhandene Planungsunterlagen (Layout, Produktdaten, Lagerdaten, Kundendaten) oder das Produktionsprogramm (Durchlaufzeiten, Mengen) verwendet. Dabei ist auch zu prüfen, ob diese Daten auf dem neuesten Stand und konsistent sind. Fehlen Unterlagen oder werden weitere benötigt, müssen zusätzliche Daten erarbeitet werden. Die Unternehmensziele sollten ebenfalls betrachtet werden und auch als Grundlage für die Bewertung der Konzepte dienen. Die Unternehmensentwicklung, d.h. zukünftige Daten wie Sortiments- oder Durchsatzänderungen müssen für die Planung ebenfalls berücksichtigt werden. Die Daten werden in einem Untersuchungsbericht (Pflichtenheft) in übersichtlichen Darstellungen zusammengefasst. Dies ist die Grundlage für die Planung wie auch schon für die Dokumentation, die bereits in dieser Phase beginnen soll. Aus diesem Datenmaterial werden die Planungsdaten (Soll-Daten), d.h. die für die weiteren Schritte notwendigen Daten abgeleitet, z.B. Durchsätze oder Lagerreichweiten.

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Die Fein- oder Detailplanung erfolgt erst nach der endgültigen Entscheidung für eine Variante. Dabei werden die technischen und organisatorischen Abläufe genau festgelegt. Die Feinplanung der einzelnen Funktionsbereiche (in der Grobplanung wurde der Zusammenhang der einzelnen Bereiche festgelegt) umfasst die Maschinen, Förderanlagen, Haupt- und Nebenwege, Nebenflächen, Gebäudetechnik (Haustechnik, Statik, Brandschutz, …...), Energiebedarf und die Anschlüsse für Energie, Ver- und Entsorgung sowie die Informationsflussplanung. Neben genauen Layoutdarstellungen kann auch eine Materialflusssimulation zur Evaluierung des gesamten Systems eingesetzt werden. Es wird außerdem festgelegt wie die Realisierung erfolgen soll (Schritte, Ablauf) und es werden die Ausschreibungsunterlagen erstellt.

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Die Realisierung ist kein Teil der Planung mehr, sondern eine Koordinierungs-, Überwachungs- und Prüfaufgabe. Sie umfasst die Ausschreibung von Lieferungen und sonstiger Leistungen, Vergabe der Gewerke und den Aufbau des geplanten Materialflusssystems. Am Ende der Realisierung erfolgen die Abnahme und die Übergabe an den Auftraggeber.


Planungshilfsmittel



Quellen

[1] VDI : VDI Richtlinie 2385, Leitfaden für die materialflussgerechte Planung von Industrieanlagen, 1989. [2] VDI : VDI Richtlinie 2498, Vorgehen bei einer Materialflußplanung, 1978.