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Elektrohängebahn, engl.: monorail overhead conveyor


Hängebahnen sind nach [3] zwangsgeführte Transportsysteme mit einzeln angetriebenen, flurfrei angeordneten Fahrzeugen. Sie sind geeignet, verschiedene Quellpunkte mit verschiedenen Zielpunkten zu verbinden, wobei die Fahrschiene über mehrere Transportebenen den jeweiligen Anforderungen angepasst werden kann. Ein Elektrohängebahnsystem (EHB-System) ist ein universell einsetzbares Fördersystem. Fahrgeschwindigkeiten von 3 m/s erlauben eine effiziente Überbrückung großer Distanzen und hohe Durchsätze. Mit Hilfe von zahlreichen Verzweigungs- und Zusammenführungselementen (Drehscheiben, Kreuzungen, Zwei-/Dreiwegeweichen etc.) sowie Vertikal-Umsetzeinrichtungen, Hubstationen oder Hubwerken (an den Katzen) können umfangreiche Fördersysteme realisiert werden. Oft werden sie als Teilezuführsystem für Produktionssysteme, insbesondere in der Automobilindustrie, verwendet. Ebenso können sie auch für zum Teil komplexe Aufgaben im innerbetrieblichen Materialfluss eingesetzt werden. Beispiele sind im Catering-Bereich von Flughäfen oder in Vorzonen von Hochregallagern zu finden.


Abb. 1: Elektrohängebahn, Versuchsanlage am Lehrstuhl fml, TU München



Inhaltsverzeichnis

  • 1 Fahrschiene
  • 2 Vertikale Umsetzeinrichtungen
  • 3 Fahrzeuge
  • 4 Lastaufnahmemittel
  • 5 Steuerung
  • 6 Quellen


Fahrschiene

 Die Fahrschiene ist die Komponente, die die verschiedenen Zielpunkte verbindet. Sie besteht aus unterschiedlichen, geraden oder kurvenförmigen Profilen und wird meist horizontal oder mit geringen Steigungen verlegt. (Vertikalgängige Hängebahnen stellen hier die Ausnahme dar.) Man unterscheidet Profile hinsichtlich der möglichen Fahrzeuganbindung in Innen-, Außen- und Oberläufer [1], ohne und mit Schleifleitungen. Für den Aufbau einer Hängekrananlage werden darüber hinaus Verzweigungen, Weichen, Drehscheiben oder Kreuzungen vorgesehen. Alternativ zur Schleifleitung können auch berührungslose Formen der Energie- und Informationsübertragung (induktiv) eingesetzt werden, um den Verschleiß zu reduzieren. 

Vertikale Umsetzeinrichtungen

Umsetzeinrichtungen, Etagenförderer oder Hub-/Senkstationen haben die Aufgabe, eine gesamte Laufschiene oder einen Lasttisch auf verschiedene Ebenen zu versetzen, um so die Elektrohängebahnebene mit der Produktionsebene zu verbinden. Man unterscheidet Ein- und Zweisäulengeräte. Meist sind sie am Boden stehend, da flurfreie Ausführungen mächtige Deckenkonstruktionen erfordern würden. Die Hubbewegung ist außerdem über Schienen, Seilverspannungen, Teleskop- oder Scherensysteme zwangsgeführt und wird in der oberen und unteren Endlage gegen Anschläge verfahren. Als Trageelement kommen Gurte, Ketten oder Seile in Frage.

Fahrzeuge

Die Elektrohängebahnfahrzeuge bestehen aus einem Reibradantrieb und einem angehängten Trageteil, an dem das Lastaufnahmemittel angebracht ist. Die Fahrzeuge werden meist mit berührungslosen Auffahrsicherungen (Initiatoren, Lichttaster, Ultraschallsensoren) ausgestattet und verfügen über eine eigene Steuerung. Die Fahrzeugsteuerung beinhaltet im Wesentlichen die Ansteuerung der Antriebseinheit, die Überwachung des Motors, die Überwachung weiterer elektrischer Komponenten und die Auffahrsicherung. Normalerweise verfügen Elektrohängebahnfahrzeuge über kein Hubwerk, da die Anzahl der Übergabestellen im Verhältnis zur Anzahl der Fahrzeuge gering ist und der Lastübergabevorgang deshalb mit den Vertikal-Umsetzeinrichtungen oder Hubstationen bewerkstelligt wird.

Lastaufnahmemittel

In Abhängigkeit von der Anlagenautomatisierung kommen verschiedene manuelle oder automatische Lastaufnahmeeinrichtungen in Frage. Meist handelt es sich um speziell angefertigte Vorrichtungen. Der Lastübergabevorgang beeinflusst maßgeblich die Förderleistung des Systems. Es wird deswegen empfohlen, Lastübergabevorgänge aus dem eigentlichen Materialfluss hinaus auf Parallelstrecken zu verlegen.

Steuerung

Zuletzt stellt die Steuerung von Elektrohängebahnen eine immer wichtigere Komponente dar. Die Steuerung geschieht entweder manuell über mitfahrende Steuerschalter oder automatisch. Eine automatische Steuerung ist dabei meist so aufgebaut, dass vor einem Verzweigungselement oder Entscheidungspunkt ein Zielkennzeichen für die Fahrsteuerung abgefragt und entweder über eine zentrale oder dezentrale Steuerung koordiniert wird, welcher Fahrweg geschaltet bzw. freigegeben wird [2]. Das mitgeführte Zielkennzeichen kann beispielsweise ein natürliches Merkmal (Form oder Gewicht), ein mechanisches Merkmal (Schalter oder Nocke), ein optisches Merkmal (Strichcode) oder ein elektronisches Merkmal (Transponder) sein. Erforderliche Steuerungsbefehle werden entweder über Schleifleitung oder kontaktlos über Funk, induktiv oder Infrarot übertragen.


Quellen

[1] VDI : VDI 3643, Elektrohängebahn; Anforderungsprofil an ein kompatibles System, 1998.
[2] VDI : VDI 2339, Zielsteuerungen für Förder- und Materialflußsysteme, 1999.
[3] VDI : VDI 2345, Hängebahnen, 1987.



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